Aktuelles von Nepomuk Gatzhammer
Die Hitzewelle in Europa hält weiterhin an und bringt Dürre, zahlreiche Waldbrände, eine Energiekrise und einen Einbruch der Binnenschifffahrt mit sich. In den am stärksten betroffenen Gebieten ruft die deutsche Regierung die Bevölkerung zum Wassersparen auf. Agrarminister Alois Rainer (CSU) „beobachtet“ die Dürre. Die SPD legt einen Aktionsplan gegen Hitze vor.
Dürre und Feuer: Direkte Auswirkungen des Klimawandels
Von Spanien bis Griechenland: In weiten Teilen Europas brennt es aktuell in den Wäldern. Auch Deutschland bleibt davon nicht verschont, hierzulande entwickeln sich große Waldbrände etwa im Hürtgenwald oder im bayrisch-hessischen Grenzgebiet. Und in Frankreich entstand sogar erstmals eine sogenannte Feuerwolke – ein Feuersturm, der ein eigenes Wettersystem erschafft.
In bürgerlichen Medien begibt man sich auf die Suche nach den Ursachen der besonders verheerenden Brände in diesem Jahr. So zitiert die Tagesschau am 28. Juli das schweizerische WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF: Der feuchte Winter habe das Pflanzenwachstum stark angeregt und die anschließende Dürre im Sommer ließ die dadurch mehr vorhandene Biomasse zum perfekten Brennstoff für die Feuerkatastrophe trocknen. Nicht nur geringer Niederschlag, sondern vor allem die steigende Verdunstung begünstige die Entwicklung solcher Feuerkatastrophen. Doch damit verbleibt der Bericht an der Oberfläche, denn er beschreibt lediglich die Mechanik, wie Dürreperioden durch den Klimawandel stark begünstigt werden und diese Phasen Europa folglich immer häufiger und intensiver erfassen. Die zugrundeliegenden Ursachen für den Klimawandel, die in der aktuellen Produktionsweise liegen, werden hingegen nicht thematisiert.
Aber nicht nur verheerende Brände sind die Folge, sondern die Dürre hat auch einschneidende Auswirkungen auf Gesundheit, Landwirtschaft und Energieversorgung. Denn selbstverständlich gefährden die Extremtemperaturen die Gesundheit der Menschen. So soll es laut dem Robert Koch-Institut in diesem Sommer mindestens 14.000 Hitzetote deutschlandweit geben haben. Namenhafte Mediziner schätzen die Zahl sogar noch höher. Zusätzlich fördern die hohen Temperaturen im Zusammenspiel mit Düngemitteleintrag aus der Landwirtschaft das Wachstum der giftigen Blaualge in heimischen Gewässern.
Betrachtet man die Auswirkungen auf die Wirtschaft, so führt der allgemeine Wassermangel zu schweren Einschnitten in der Vieh-, Land- und Forstwirtschaft. Durch das trockenere Klima breiten sich Schädlinge wie der Borkenkäfer vor allem in den üblichen Monokulturen vermehrt aus und zerstören große Teile der Kulturlandschaft. Zahlreiche Bauern im Alpenraum bangen außerdem schon jetzt um die Futtermittelversorgung, da das Pflanzenwachstum aufgrund der Hitze zunehmend geringer ausfällt. So musste laut Bauernverband bereits jetzt über ein Drittel der Landwirte in Deutschland Futtermittel zukaufen.
Das Niedrigwasser bedroht weiterhin die Energieversorgung großer Teile Europas: Zahlreiche Atomkraftwerke mussten abgeschaltet werden, da der geringe Wasserstand keine zuverlässige Kühlung der Reaktoren mehr garantieren kann. Wasserkraftwerke liefern weniger Energie aus demselben Grund. Auch der Güterverkehr ist durch die niedrigen Pegel beeinträchtigt, stellenweise musste aufgrund des Niedrigwassers auch die Binnenschifffahrt eingestellt werden. So beträgt an manchen Stellen der Pegelstand des Rheins beispielsweise nur noch 10 cm. Können Schiffe den Rhein nicht mehr befahren, so muss die Fracht auf die Schienen oder LKW verladen werden. Hierbei entspricht eine Schiffsladung auf dem Rhein im Durchschnitt ca. 150 LKW-Ladungen. Dies treibt die Transportkosten in die Höhe, welche sich auf den Endverbraucherpreis niederschlagen.
Die Regierung bleibt weitestgehend untätig
Lange Zeit äußerte sich die Regierung kaum zur aktuellen Hitzewelle. Man beobachte die Lage und sei im Austausch mit allen Akteuren, heißt es. Fast so trocken wie die derzeitige Dürre äußerte sich auch der Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU): „Also man sieht gerade im Sommer, dass der Klimawandel natürlich ein Thema ist, das die Landwirtschaft beschäftigt.“ Und weiter: „Ich kann’s nicht regnen lassen, sonst tät ich’s machen”. Nach Tagen und Wochen der Zurückhaltung unternimmt die SPD nun einen halbherzigen Vorstoß und legt einen sogenannten Aktionsplan gegen Hitze vor. So soll der Hitzeschutz als ein Gemeinschaftsprojekt von Bund, Ländern und Gemeinden im Grundgesetz verankert werden. Wie genau die Zuständigkeiten dann aussehen sollen, hat die SPD bisher allerdings nicht weiter ausgeführt – kaum mehr also als ein Lippenbekenntnis. Auch die vorgeschlagenen Sofortmaßnahmen bleiben oberflächlich: Sozialeinrichtungen sollen langfristig saniert, betriebliche Hitzeschutzpläne gefördert, Bauplanungen an das Klima angepasst und die Natur beim Hitzeschutz stärker genutzt werden. Als solches würden die Sofortmaßnahmen in erster Linie öffentliche Einrichtungen wie Altenheime oder Krankenhäuser betreffen. Selbst wenn sie dort geringe Verbesserungen ermöglichen, bleiben sie wortwörtlich ein Tropfen auf den heißen Stein: Die meisten Arbeitsstellen und Wohnungen der Arbeiterklasse bleiben in diesen Tagen auf ein unerträgliches Maß erhitzt. Eine Perspektive, die Auswirkungen des Klimawandels langfristig nicht nur auszuhalten, sondern abzumildern, gibt es nicht.
Unterm Strich ist das Schema somit klar erkennbar: Maßnahmen gegen die Hitze sollen den Staat möglichst wenig kosten und auf gar keinen Fall die Verwertungsmöglichkeiten des Kapitals beschränken und die Profite mindern. An der Dürre 2026 kann man somit zwei Dinge hervorragend erkennen: Erstens sieht man, wie wenig sich die Politik im Interesse des Kapitals um die Sorgen und Nöte Bevölkerung kümmert. Zweitens wird auch deutlich, wie machtlos die bürgerliche Demokratie gegen den Klimawandel ist, weil sie zwangsläufig das Privateigentum an Produktionsmitteln verteidigt. Denn keine Sofortmaßnahme kann den tiefgreifenden Wandel ersetzen, der nötig wäre, um die schlimmsten Auswirkungen der heranrollenden Klimakatastrophe abzumildern.
Gegen die schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise hilft nur der vollständige Bruch mit der aktuellen Produktionsweise
Was also tun? Als vorbeugende Maßnahmen gegen extreme Auswirkungen von Waldbränden sind großräumliche Landschaftsplanung, Artenvielfalt und eine gute Waldpflege unerlässlich. Eine länderübergreifende Wasserwirtschaft könnte zudem den Verbrauch reduzieren und den Wasserhaushalt schonen. Eine nachhaltige Landwirtschaft würde sowohl Böden schützen als auch Ressourcen zielführender verwenden. Dabei bleibt aber mehr als fraglich, wie derlei Maßnahmen innerhalb des kapitalistischen Rahmens im benötigten Umfang umgesetzt werden können. Kaum an einem anderen Thema wie am Klima- und Umweltschutz wird so deutlich, dass die kapitalistische Produktionsweise den Interessen der Arbeiterklasse grundlegend entgegensteht. In diesem System wird früher oder später alles aufgezehrt, was sich aufzehren lässt. Reformen und Maßnahmen, die im Rahmen der aktuellen Produktionsweise verbleiben, können die Katastrophe kaum abschwächen, geschweige denn ihr begegnen. Gute Waldpflege und nachhaltige großräumliche Landschaftsplanung lassen sich nur in einem vergesellschafteten Rahmen ohne Profitzwang ausreichend umsetzen. Gleiches gilt für die Wasser- und Landwirtschaft. So könnte Krisen nicht nur geplanter begegnet, sondern langfristig auch die Häufigkeit und das Ausmaß ihres Auftretens reduziert werden.


