Klassenkampf & Wissenschaft #1-2026 als pdf
Liebe Leserinnen und Leser,
die erste diesjährige Ausgabe der Klassenkampf und Wissenschaft beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Fragen des Sozialismus-Kommunismus, insbesondere mit der bürgerlichen Kritik am Konzept der Planwirtschaft.
Der erste Text der Ausgabe gibt einen kurzen theoretischen Abriss darüber, warum die Produktion nach einem zentralen Plan, der sich nach den Bedürfnissen der Bevölkerung richtet, das entscheidende Merkmal der kommunistischen Produktionsweise ist. Das zentrale Argument des Texts ist, dass „eben nicht ‚verschiedene‘ Modelle des Sozialismus gleichberechtigt neben allen anderen stehen“, sondern der Sozialismus „nur auf gesellschaftlichem Eigentum, zentraler Planwirtschaft und Herrschaft der Arbeiterklasse aufbauen“ kann. Konzepte eines „Marktsozialismus“ sind also von vornherein zum Scheitern verurteilt, da es sich dabei dem Wesen nach um eine Fortführung des Kapitalismus mitsamt seinen Gesetzen handelt und somit auch nicht von Sozialismus die Rede sein kann. Über all das gibt die Entwicklung des Kapitalismus selbst Aufschluss.
Im zweiten Beitrag, der den Hauptteil dieser Ausgabe ausmacht, wird gegen die bürgerlichen Kritiker der Planwirtschaft argumentiert. Zwei der namhaftesten unter diesen bürgerlichen Kritikern sind die österreichischen Ökonomen Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek. Beide haben maßgeblich zur „sozialistischen Kalkulationsdebatte“ beigetragen, in der sie zu zeigen versuchten, dass ohne Marktpreise keine rationalen wirtschaftlichen Entscheidungen getroffen werden könnten. Eine Planwirtschaft müsse also zwangsweise zu Ressourcenverschwendung und Ineffizienz führen. Der Text bezieht sich insbesondere auf den ungarischen Ökonomen János Kornai. Die Arbeiten von Kornai stellen dabei „in der bürgerlichen Ökonomie eine kaum hinterfragte Autorität dar“, die sogar von „linken“ Kritikern der Planwirtschaft aufgegriffen werden, um ihre revisionistischen Ideen eines „Marktsozialismus“ theoretisch zu begründen. Diese Argumente entkräftet der Text und zieht die Bilanz, dass manche von ihnen „so schwach begründet [sind], dass es schwer fällt, darin überhaupt einen wissenschaftlichen Beitrag zu sehen.“ Sowohl „die Erfahrungen der sozialistischen Länder, […] als auch das Versagen des akademischen Antikommunismus dabei, einigermaßen tragfähige Argumente gegen den Sozialismus hervorzubringen, und schließlich die technologischen Fortschritte unserer Zeit, […] all das deutet in überwältigendem Maße darauf hin, dass der Sozialismus nicht nur möglich und wünschenswert ist, sondern auch als Produktionsweise den heutigen Produktivkräften objektiv entspricht, ja geradezu von diesen verlangt wird.“
Auch veröffentlichen wir eine Kritik am neuen Strategiepapier der DKP mit dem Titel „Den dritten Weltkrieg verhindern!“: In jenem Text offenbaren sich opportunistische Positionen, die fatale Illusionen in die Friedensfähigkeit des Imperialismus schüren. Hierbei handelt es sich weitestgehend um eine Fortsetzung der bereits lange vertretenen und in der Führung der DKP fest verankerten Strategie der „antimonopolistischen Demokratie“. Dieses Etappenmodell wird im neuen Strategiepapier ausführlich weiter ausdifferenziert: „Durch eine Veränderung des Kräfteverhältnisses soll der Austritt aus NATO und EU erzwungen werden, dadurch wiederum würde das Monopolkapital geschwächt, wodurch antimonopolistische Spielräume entstehen, die wiederum ermöglichen, dass das Grundgesetz, wie es formuliert ist, erst zur Geltung gebracht werden könne.“ Letztlich wird „sozialdemokratische Politik einer ‚Regierung des Friedens‘ in Form einer ‚Atempause‘ unter den herrschenden Verhältnissen als ‚strategisches Ziel’ gefordert und als Übergang zum Sozialismus dargestellt.“
Schließlich bringen wir einen Erarbeitung zur Frage der Bauern in Deutschland heraus. Der Text leistet einen Beitrag zur Klärung der Frage, wie die Kleinbauern einzuordnen sind, was ihr Verhältnis zur Arbeiterklasse ist und wie man diese für den Kampf gegen das Kapital begeistern kann. Auch wird auf die Rolle der Europäischen Union und die Entwicklung der Landwirtschaft in der BRD eingegangen, die in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eine beschleunigte Kapitalzentralisation erlebte. Die besitzenden Bauern machen in Deutschland heute nur noch einen kleinen Teil der Bevölkerung aus. Der Bauernfrage kommt damit eine sehr viel niedrigere Priorität zu, als ihr z.B. noch von den Bolschewiki oder der KPD gegeben wurde. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass „die Agitation der Landarbeiter […] in allen größeren landwirtschaftlichen Betrieben die klare Hauptaufgabe [ist].“ Nur auf Grundlage einer starken Arbeiterbewegung im Agrarsektor können schließlich auch die Kleinbauern als Verbündete gewonnen werden. Die Differenzierung innerhalb der deutschen Arbeiterklasse, wie sie auch hier besprochen wird, ist Teil der Klassenanalyse. Wir haben intern bereits eine ausführliche Analyse vorliegen und diskutiert, die in dieser Ausgabe der Klassenkampf und Wissenschaft aber noch nicht veröffentlicht werden kann.
Die Ideologische Kommission der Kommunistischen Partei wünscht eine anregende Lektüre und freut sich auf Rückmeldungen und Diskussionen!


