Marschflugkörper made in Leipzig

Aktuelles von Levin Meyer

Nahe Leipzig soll, wie Ende August bekannt wurde, eine Waffenfabrik errichtet werden. Das amerikanisch-israelische Waffen-Startup Covenant Industries, mitfinanziert durch den Techmilliardär Peter Thiel, will dort die Massenproduktion von Marschflugkörpern starten. Das Projekt reiht sich trotz seiner ausländischen Investoren in das Streben des deutschen Imperialismus nach strategischer Autonomie ein.

Massenproduktion von Marschflugkörpern

Am 28. August machte die Nachrichtenagentur Reuters öffentlich, was in den Hinterzimmern der Berliner Ministerien sowie den Boardrooms des Silicon Valley längst beschlossen war: Das bisher kaum bekannte amerikanisch-israelische Waffenunternehmen Covenant Industries will 2027 die Massenproduktion von Marschflugkörpern in einem Werk unweit der Stadt Leipzig starten.

Produziert werden sollen bis zu 1000 Stück jährlich, und das zu besonders günstigen Preisen. Das Unternehmen wurde 2024 vom amerikanischen Investor Michael Kaufman, einem früheren Mitarbeiter des Techmilliardärs Peter Thiel, gegründet. Thiel selbst investiert auch bereits in Covenant. Obwohl bislang nicht einmal eine offizielle Website existiert, hat das Unternehmen bereits eine Bewertung von mehr als 1 Milliarde US-Dollar erreicht. Schon der Name Peter Thiel lässt erahnen, dass es sich hierbei um kein kleines Geschäft handelt. Neben ihm tauchen auch andere amerikanische Investoren wie Marc Andreessen und Ben Horowitz auf; zudem finden sich israelische Investoren sowie die beiden Risikokapitalgesellschaften Lux Capital und Lightspeed Venture Partners unter den Unterstützern.

Wenngleich Bundesverteidigungsminister Pistorius in jüngster Vergangenheit im Kontext eines Drohnen-Unternehmens Bedenken gegenüber Investitionen des Palantir-Chefs Peter Thiel äußerte, bleibt das Ministerium bisher äußerst schweigsam. Begründet wird die Stille von ministerialer Seite damit, dass es sich hier allein um eine Frage der Industrie handele. Angesichts der Tatsache, dass das Verteidigungsministerium selbst erst im Juni unter anderem bei Covenant angefragt hat, ist diese Behauptung allerdings nicht besonders glaubwürdig.

Ergänzung zu verspäteten Tomahawks

Anfang August wurde die Waffe von marokkanischen und US-amerikanischen Einheiten in Marokko getestet, unweit der von Marokko besetzten Westsahara. Der Marschflugkörper mit dem Namen Anthem soll bis zu ⁠1.500 Kilometer weit fliegen können; damit hätte er eine deutlich größere Reichweite als der aktuell verfügbare Taurus. In Leipzig soll er vordergründig produziert werden als Ersatz und günstigere Alternative zu US-amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörpern, deren Lieferungen an Deutschland sich mutmaßlich verzögern.

Der Krieg der USA gegen den Iran hat die Bestände der USA stark strapaziert. Schätzungen zufolge wurden allein in den ersten Wochen dieses Konflikts 850 Tomahawk-Marschflugkörper verschossen, was in etwa einem Viertel des gesamten US-Gesamtbestands entspricht. Die zeitlichen Verzögerungen bei der Lieferung an die Bundeswehr lassen sich auch auf die Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump zurückführen, die Bereitstellung nach Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz am Iran-Krieg zu stoppen.

Deutsches Streben nach „strategischer Autonomie“

Mittelfristig stellt das Setzen auf dieses Unternehmen aber auch eine verstärkte Betonung der „strategischen Autonomie“ des deutschen Imperialismus von den USA dar. Obwohl Covenant ein US-Unternehmen ist, sollen die meisten Komponenten für die geplante Produktion aus Deutschland und anderen europäischen Ländern, unter anderem Großbritannien, bezogen werden. Zeitgleich werden in Berlin und London Überlegungen angestellt, die bereits existierende Rüstungskooperation durch eine mögliche deutsche Teilhabe an britischen Nuklearstreitkräften auszubauen.

Das bereits die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 beherrschende Thema der europäischen Aufrüstung – unter dem abstrakt klingenden Begriff der „strategischen Autonomie“ – realisiert sich in immer konkreteren Schritten. Während der Oberbürgermeister der Stadt Leipzig Einsparungen in Millionenhöhe sowie Stellenabbau im öffentlichen Dienst ankündigt, werden zukünftig wenige Kilometer außerhalb jährlich tausende Vernichtungswaffen produziert. Die Region Leipzig-Halle droht sich damit immer stärker als Rüstungs- und Militärschwerpunkt zu etablieren: Der Flughafen Leipzig/Halle ist ein wichtiges Drehkreuz für kriegsunterstützende Lieferungen an die Ukraine, in der Kreisstadt Sangerhausen westlich von Halle plant der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems den Bau einer neuen Rüstungsfabrik.

Der kommende imperialistische Krieg wird für die Arbeiterklasse nichts als Leid, Tod und Elend bedeuten. Für die Investoren und Inhaber von Covenant Industries sowie alle anderen Rüstungskonzerne bedeutet der kommende Krieg wiederum Milliardengewinne.

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