Aktuelles von Carlos Pedreiro
Nachdem der Krieg gegen den Iran bereits seit Anfang des Jahres die Benzinpreise in die Höhe trieb, verschärft der aufflammende Konflikt im Jemen die ohnehin angespannte Lage auf den Energiemärkten und erhöht weiter den Druck auf die Verbraucher.
Krieg gegen den Iran führt zu Lieferengpässen
Mit dem Beginn des Angriffskriegs der USA und Israel auf den Iran am 28. Februar 2026 und der darauffolgenden Sperrung der Straße von Hormus stiegen die Preise für Benzin und Diesel rasant in die Höhe. Im weiteren Laufe des Jahres pendelte sich der Preis auf einem konstant hohen Niveau ein. Nachdem die Ansar Allah (Huthis) die gesamte jemenitische Rotmeerküste unter ihre Kontrolle brachten, droht nun ein weiterer drastischer Preisanstieg.
Aufgrund der Sperrung der Straße von Hormus entwickelte Saudi-Arabien eine Ausweichroute für den Ölexport. Dafür wurde die Menge an Öl, das durch die die East-West Pipeline geleitet wird, von 800 Tausend Barrel pro Tag vor dem Krieg auf bis zu 3,7 Millionen Barrel pro Tag erhöht (ein Barrel entspricht 158,99 Liter). Durch diese Pipeline wird das Erdöl von der Kleinstadt Abkaik am Persischen Golf quer durch Saudi-Arabien zum Hafen in Yanbu transportiert, und kann von dort durch das Rote Meer nach Europa und Asien verschifft werden.
Die Ansar Allah verhängte jedoch eine Blockade für saudische Frachter und erlangte Mitte September auch die Kontrolle über das Gebiet um die Meerenge von Bab al Mandab, was es ihnen ermöglicht, die Blockade effektiv umzusetzen. Bei einem mutmaßlichen Angriff irakischer Milizen am 10. September mit Drohnen, wurden drei Pumpstationen der Pipeline beschädigt, welche daraufhin für Reparaturen geschlossen werden mussten. Daher teilte die saudische Erdölgesellschaft einigen europäischen Raffinerien mit, dass sie die Lieferungen für Oktober stornieren müsse.
Höhere Kosten für die Bevölkerung
Im Februar vor Beginn des Irankriegs lag der durchschnittliche Preis pro Liter bei 1,72 € für Diesel und bei 1,81 € für Super 95/E5. Bis April 2026 stieg er auf 2,26 € pro Liter Diesel bzw. 2,13 € pro Liter Super 95/E5 an.
Die Regierung reagierte darauf mit dem sogenannten Tankrabatt, bei dem die Energiesteuer auf Kraftstoffe für Diesel, E10 und E5 für die Monate Mai, Juni und August um 17 Cent gesenkt wurde. Zudem gab es ab April Waffenruhen zwischen den kriegsführenden Parteien, und am 17. Juni 2026 wurde ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges von den USA und dem Iran unterzeichnet. Der Tankrabatt und die Deeskalation ließen den Preis zumindest kurzfristig unter die Marke von 2 € pro Liter fallen. Allerdings blieb die Lage im Iran äußerst fragil und stellte keinen dauerhaften Frieden her. So war der Benzinpreis bereits am 20. Juli – 20 Tage nach dem Ablauf des Tankrabatts – höher als vor dessen Einführung. Mit der Ausweitung des Konflikts im Jemen und Saudi-Arabien drohen nun weitere, erhebliche Preisanstiege.
Für Konsumenten stieg der Benzinpreis Mitte September bereits auf 2,36 Euro pro Liter. Für Menschen, die auf ein Auto angewiesen sind, stellt das eine große zusätzliche Belastung dar. Die durchschnittliche Pendelstrecke liegt in Deutschland bei rund 17 Kilometern einfache Strecke. Eine Alternative durch öffentlichen Nahverkehr gibt es gerade in ländlichen Räumen oft nicht. Bei durchschnittlichem Verbrauch erhöhen sich die Ausgaben allein für den Arbeitsweg somit um mehr als 28 Euro pro Monat.
Der Preis für Heizöl stieg von 0,91 Euro pro Liter im August 2025 auf 1,36 Euro im August 2026 – ein Anstieg von über 49 Prozent. Der durchschnittliche Heizölverbrauch beläuft sich auf 15 Liter pro Quadratmeter und Jahr. Wer mit Öl heizt und in einer 60-Quadratmeter-Wohnung lebt, erwartet somit Mehrkosten von über 400 Euro pro Jahr. Eine Wahl darüber, mit welcher Methode die Wohnung beheizt wird, hat die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland dabei nicht, da sie selbst nicht über das Wohneigentum verfügt.
Doch die steigenden Ölpreise belasten nicht nur Autofahrer und Menschen, die mit Öl heizen müssen. Die gesamte heutige Wirtschaft basiert auf Öl: Es wird als Energieträger und Rohstoff für die Produktion benötigt, unter anderem für Kunststoffe, Lösungsmittel, Schmierstoffe und viele Chemikalien. Selbstverständlich wird es auch für den Transport nahezu sämtlicher Güter benötigt. Steigt der Preis für Öl, steigen somit die Preise insgesamt. Dies schlägt sich auch in den Inflationsdaten nieder. So betrug die Inflation im Februar 2026 noch 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und stieg bis Juli 2026 auf 2,8 Prozent.
Auch für die deutsche Industrie stellt dies ein zusätzliches Problem dar. Über Jahrzehnte basierten ganze Kapitalzweige – wie die deutsche Chemieindustrie – auf niedrigen Energiepreisen und zuverlässiger Versorgung aus Russland. Diese entfiel mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine und den darauffolgenden Sanktionen gegenüber Russland seitens der Bundesregierung. Diese Belastung wird nun durch den Krieg im Iran und Jemen intensiviert.
Ölkonzerne verbuchen Extraprofite
Die auch als „Big Oil“ bekannten Konzerne BP, Chevron, Eni, ExxonMobil, Shell und TotalEnergies profitieren währenddessen in erheblichem Ausmaß vom Krieg, den Blockaden und der dadurch ausgelösten Knappheit an Erdöl. So konnten die Ölkonzerne ihre Gewinne im zweiten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum ersten verdoppeln. Chevron konnte seinen Gewinn sogar mehr als verfünffachen – von 2,2 Milliarden USD auf 12,1 USD, was über 1500 USD pro Sekunde entspricht. ExxonMobil erreichte einen Gewinn von über 1800 USD pro Sekunde – eine Verdreifachung im Vergleich zum ersten Quartal 2026. TotalEnergies wiederum teilte mit, seinen bereinigten Nettogewinn im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 67 Prozent erhöht zu haben, was sechs Milliarden USD entspricht.
Die Ölkonzerne nutzen die Knappheit für Preissteigerungen aus, und auch den Tankrabatt auf Diesel gaben sie nicht vollständig an die Verbraucher weiter. Rund 27 Prozent der Steuersenkung behielten sie als zusätzlichen Gewinn ein. Stellt man die enormen Extraprofite den stark gestiegenen Kosten für die Arbeiterklasse entgegen, wird deutlich, dass wir alle für sie zahlen.
Unzureichende Maßnahmen der Regierung
Obwohl der Preis kurz nach Ablauf des Tankrabatts höher war als vor dessen Gültigkeit, wurde zunächst keine weitere Entlastung geplant. Die Kosten für den Tankrabatt seien mit 1,5 Milliarden Euro zu teuer, äußerte die Regierung dazu. Stellt man dem jedoch die Kosten für Rüstung mit 82,7 Milliarden Euro für 2026 gegenüber, merkt man schnell, dass es sich hierbei lediglich um eine Frage der Priorisierung handelt.
Überhaupt wird deutlich, dass der Tankrabatt kein geeignetes Mittel ist, um der Krise zu begegnen. Erfolgsversprechender könnte beispielsweise auch ein Ausbau des Nahverkehrs oder eine Subventionierung des Deutschlandtickets sein, um die Abhängigkeit von Treibstoff generell zu reduzieren. Dennoch soll nach dem erneuten Preisanstieg im September nun wieder ein Tankrabatt für die Monate Oktober, November und Dezember beschlossen werden, bei dem die Energiesteuer für Mineralölkonzerne um 14 Cent je Liter reduziert wird, wodurch auch rund 3 Cent weniger an Mehrwertsteuer fällig werden sollen. Spätestens zum Jahreswechsel ist geplant, dass zusätzlich eine Deckelung der Preise in Kraft trete. Die Ausgestaltung der Deckelung bespricht die Regierung mit den Mineralölkonzernen – jenen, die sich mit Extraprofiten an unserer Not bereichern.
Der US-amerikanische Staat führt einen imperialistischen Krieg für die Interessen seiner eigenen kapitalistischen Klasse. Als Bevölkerung haben wir in ihm weder etwas zu gewinnen, noch haben wir ihn verlangt. Die Ölkonzerne können unterdessen immense Gewinne verbuchen, während unser Leben immer teurer wird. Die bürgerliche Regierung der Bundesrepublik hingegen begrüßt die Angriffe auf den Iran und stellt die Infrastruktur und Liegenschaften dafür zur Verfügung. Das US-Militär betreibt über 100 Standorte in Deutschland. Diese erfüllen eine zentrale logistische Funktion für die Kriegsführung.


