Der Lifestyle der Faulen

Kommentar von Natalja Merten

Zwei Kinder. Kein zweiter Elternteil. Die Kleine – zum Glück nach zwei Jahren Suche nach einem Platz – vier Stunden am Tag in der Kita. Der Große in der zweiten Klasse der Grundschule. Die Mutter im Teilzeitjob als Sekretärin. Anders geht es mit den Kids nicht. Umzug an den Stadtrand, damit die Kinder ein eigenes Zimmer haben. Selbst dort ist es teuer. Urlaub? Fehlanzeige. Freizeit? Wenn es gut läuft, gibt es mal einen Ausflug in die Eisdiele. Die erste Klassenfahrt steht an: Fast 400 Euro für fünf Tage.

Das ist der Lifestyle einer Alleinerziehenden! Die Nachbarin arbeitet in Teilzeit, weil sie die zunehmende Arbeitsverdichtung gesundheitlich nicht anders bewältigen kann. Der andere Nachbar, weil er seine Eltern pflegen muss, da eine Pflegestufe nicht genehmigt wurde. Und die Klassenlehrerin des Sohns arbeitet wie zahlreiche ihrer Kollegen in Vollzeit für einen Teilzeitlohn, um ihr Arbeitspensum irgendwie zu schaffen.

Das sind die faulen Arbeiter in Deutschland, denen die CDU an den Hals will. Im Angesicht der Krise des deutschen Kapitals weitet sich der Klassenkampf von oben immer weiter aus: Wir sollen mehr, länger und zu immer schlechteren Bedingungen arbeiten und dabei gefälligst weniger krank sein. Sei es die Reform des Bürgergelds, die durch noch repressivere Sanktionen den Druck auf die Reservearmee und die Arbeiterklasse insgesamt erhöhen soll oder die jüngste Rentenreform – der Druck steigt. Die bevorstehenden Angriffe auf den 8-Stunden-Tag wurden ebenfalls schon im Koalitionsvertrag von CDU und SPD angekündigt und wenn es nach Merz ginge, sollte im Interesse des deutschen Kapitals auch das Arbeitszeitgesetz in die Restmülltonne wandern.

Angesichts der sich zuspitzenden Krise des Imperialismus geht es aktuell augenscheinlich und immer offensichtlicher ums Kerngeschäft des Klassenwiderspruchs:

„Reicher Mann und armer Mann standen da und sahn sich an. Und der Arme sagte bleich: Wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ (Bertolt Brecht)

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