Sie rüsten zum Krieg – wir rüsten zum Widerstand

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Bericht zum LLL-Wochenende 2026 der Kommunistischen Partei

Auch in diesem Jahr nahm die Kommunistische Partei (KP) an der jährlich stattfindenden LLL-Demonstration in Berlin teil, die Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Wladimir I. Lenin gewidmet ist.

Luxemburg, Liebknecht und Lenin sind keine Heiligen. Sie waren Genossen – Menschen, die herausragende Rollen in der Geschichte der Arbeiterbewegung spielten. Doch vor allem stehen sie symbolisch für die zahllosen Kämpfer der Arbeiterklasse, deren Namen oft in der Geschichte untergehen, die aber in unserem heutigen Kampf weiterleben. Ihrem Gedenken begegnen wir nicht als ritualisierte Pflicht, sondern als Auftrag: den Kampf der Arbeiterklasse gegen die Angriffe des Kapitals und die aktuelle Kriegsvorbereitung entschlossen fortzuführen.

Politisches Programm: Strategien für den Widerstand

Für den Samstag hatten wir ein eigenes politisches Programm vorbereitet und dazu auch unser Umfeld eingeladen. Im Zentrum standen Fragen, wie die Arbeiterklasse organisiert werden kann, wie wir uns in der Massenarbeit verankern und das Klassenbewusstsein in aktuellen Kämpfen stärken. In Diskussionsrunden tauschten wir Erfahrungen aus der Betriebsarbeit, der Arbeit mit Jugendlichen sowie aus der Solidaritätsbewegung mit Palästina aus. Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion über politische Bündnisse, an der auch ein Vertreter der Organisation „Klasse gegen Klasse“ (KgK) teilnahm. Dabei wurden bestehende Differenzen klar sichtbar.

Klassenkampf im Betrieb organisieren

Der Workshop zur Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit versammelte rund 70 Teilnehmer, um Strategien kommunistischer Massenarbeit in Betrieben zu diskutieren. Einleitend gab die Massenarbeitskommission der KP einen Überblick über die aktuellen Aufgaben und strategischen Prioritäten in der betrieblichen Arbeit. Diskutiert wurden insbesondere die Auswirkungen der anhaltenden Rezession in Deutschland, der verstärkte Klassenkampf von oben und die Notwendigkeit des Parteiaufbaus als Grundlage schlagkräftigen Widerstands von unten.

In mehreren Arbeitsgruppen wurden Teilaspekte vertieft: erste Schritte in der Betriebsarbeit, Betriebsstammtische, Arbeit als Vertrauensleute und in Betriebsgruppen, Betriebsräte sowie die Haltung zu Gewerkschaftsgremien. Die Diskussionen verdeutlichten: Die Verankerung an der Basis, das Aufgreifen realer Probleme der Belegschaften und der Aufbau aktiver Betriebsgruppen sind entscheidend. Vertrauensleutekörper, Betriebsräte und Jugend- und Auszubildendenvertretungen sind dabei wichtige Strukturen. Gewerkschaftsgremien können genutzt werden, um betriebliche Interessen zu vertreten, gleichzeitig muss die kritische Haltung gegenüber der sozialpartnerschaftlichen Linie der Gewerkschaften bestehen bleiben. Die Resonanz war eindeutig: Viele Genossen sammeln derzeit Erfahrungen in Arbeitskämpfen und zeigen starkes Interesse an unseren Ansätzen.

Palästina-Solidarität: Strukturen langfristig stärken

Im Workshop zur Palästina-Solidarität diskutierten die Teilnehmer Erfahrungen und Strategien für Massenarbeit in Deutschland. Angesichts der anhaltenden Gewalt der zionistischen Kolonialmacht und der Unterstützung durch die deutsche herrschende Klasse richtete sich der Blick auf unsere eigenen Erfahrungen in der Solidaritätsbewegung.

Zentrale Fragen waren: Wie können wir in einer Phase reduzierter Aktivitäten planvoll arbeiten? Wie lassen sich langfristig handlungsfähige Strukturen aufbauen? Und wie kann die Solidaritätsarbeit aus einer Klassenperspektive geführt werden? Die Diskussion machte deutlich, dass strategische Planung und kontinuierlicher Aufbau entscheidend sind, um die Bewegung handlungsfähig zu halten.

Jugendarbeit an Schule, Betrieb und Universität

Der Jugend-Workshop begann mit einem Vortrag über die Bedeutung der Arbeit unter Jugendlichen und die Besonderheiten dieser Zielgruppe. Die KP plant die Gründung eines Jugendverbands, der die Arbeiterjugend gezielt organisiert und das Programm der Partei unterstützt. Dieser Verband soll wie die Partei selbst keine Massenorganisation sein, sondern ein Teil der Jugend, der politisch handlungsfähig wird. Gleichzeitig wurde betont, dass der Jugendverband nicht losgelöst von der Massenarbeit existieren kann. Die Mitglieder des zukünftigen Jugendverbandes müssen an ihren jeweiligen Lebensmittelpunkten politische Erfahrungen sammeln, Kämpfe führen und das Bewusstsein in breiten Teilen der Jugend entwickeln.

Anschließend arbeiteten die Teilnehmer in Untergruppen, die sich auf Ausbildung, Schulen und Universitäten konzentrierten. Anhand konkreter Fallbeispiele wurden Erfolgsfaktoren und Strategien für die Arbeit mit Jugendlichen diskutiert und weiterentwickelt.

Infostand auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz

Am Samstag präsentierte sich die KP mit einem Infostand auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz der jungen Welt. Neben gedruckten Ausgaben des Theorieorgans Klassenkampf & Wissenschaft, Broschüren und Solidaritätsmaterialien zu Palästina standen unsere Grundlagenschulung sowie die Bücher zu Kritik des Maoismus und zur Herrschaft des Kapitals in China zur Verfügung – erstmals auch in englischer Übersetzung, was internationale Gäste besonders begrüßten.

Besonders großes Interesse bestand an der Einschätzung Chinas, die in anderen Organisationen kontrovers diskutiert wird. Gespräche drehten sich außerdem um Militarisierung, Kriegsvorbereitung und Wehrpflicht. An Infoständen und Diskussionsrunden zeigte sich die Verbreitung falscher Standpunkte – von bürgerlichem Pazifismus bis zu marxistisch angestrichenen Multipolarismus-Positionen. Für uns unterstreichen diese ideologischen Probleme die Notwendigkeit des kontinuierlichen Parteiaufbaus.

Die Bündisfrage in Zeiten reaktionärer Zuspitzung

Entscheidend für den Wiederaufbau der revolutionären Arbeiterbewegung ist nicht allein die praktische Arbeit an sich, diese muss mit der richtigen politisch-strategischen Orientierung durchgeführt werden. Im Interesse einer vertieften Auseinandersetzung um die Frage der Bündnispartner der Arbeiterklasse luden wir am Abend zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Die Bündnisfrage in Zeiten reaktionärer Zuspitzung“ statt. Über 400 Gäste verfolgten die Debatte zwischen Baran von der trotzkistischen Organisation KgK und Fatima von der KP, moderiert von dem kommunistischen Podcaster Fabian Lehr.

Die Unterschiede in der Bewertung politischer Bündnisse, insbesondere mit der Sozialdemokratie in Gestalt der Linkspartei, wurden deutlich. Die KP vertritt die Strategie einer „Einheitsfront von unten“ – ein breites Bündnis der Arbeiterklasse für gemeinsame Interessen, unabhängig von Parteizugehörigkeit, Nationalität oder Religion. KgK hingegen sieht keinen prinzipiellen Unterschied zwischen einer Einheitsfront „von unten“ und einer Einheitsfront „von oben“. Ein Bündnis zwischen Kommunisten und sozialdemokratischen Parteien wie der Linkspartei sei also nicht grundsätzlich abzulehnen.

Aus Sichtweise von KgK war etwa das für die Mobilisierung gegen die Gründung der AfD-Jugend in Gießen verantwortliche Bündnis aus Linkspartei und verschiedenen linken Gruppen ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Einheitsfront. Aus Sicht der KP ist diese Form des Bündnisses zu kritisieren, weil es suggeriert, dass eine weniger rechte Politik der anderen bürgerlichen Parteien wie CDU, SPD, aber auch der Linkspartei besser für die Interessen der Arbeiterklasse wäre. Das führt dazu, dass Illusionen genährt werden. Die Menschen werden so davon abgelenkt zu verstehen, dass reaktionäre Politik und Faschismus mit dem kapitalistischen System einhergehen.

Unseren Vorkämpfern gedenken

Höhepunkt des Wochenendes war die LLL-Demonstration am Sonntag. Mehr als 10.000 Menschen zogen durch Berlin, um Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Wladimir I. Lenin zu gedenken. Die KP beteiligte sich mit einem eigenen Block von etwa 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Mit uns liefen auch Genossinnen und Genossen internationaler Schwesterparteien, darunter die Arbeiterpartei Irlands (WPI), die Arbeiterfront der Ukraine (RFU), die Jugendfront der Partei der Arbeit Österreichs und die Revolutionäre Kommunistische Partei Brasiliens (PCBR).

Während der Demonstration wurden in unserem Block Redebeiträge zu aktuellen Themen gehalten – von verschärften Polizeigesetzen über den Völkermord in Palästina bis zum militärischen Angriff der USA auf Venezuela. Ein gemeinsamer roter Faden zog sich durch alle Beiträge: die massive Aufrüstung der Bundeswehr und die Militarisierung der Bundesrepublik in Vorbereitung auf einen dritten Weltkrieg.

Eine fehlerhafte Berichterstattung in der taz unterstellte unserem Block das Skandieren der Parole „Viva, viva, Stalin“. Diese Darstellung, die von der Springer-Presse dankbar aufgegriffen wurde, ist falsch. Die Zeitung hat sie bisher nicht aus dem Artikel entfernt, obwohl wir die Redaktion darauf aufmerksam gemacht und eine Richtigstellung gefordert haben. Die KP setzt sich für ein wissenschaftlich fundiertes, kritisch-solidarisches Herangehen an die Geschichte der kommunistischen Bewegung ein und adressiert die aktuellen Probleme der arbeitenden Bevölkerung: Militarisierung, Wohnungsnot, Lohnangriffe und Einschränkungen demokratischer Rechte. Eine positive Bewertung des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion und der DDR ist nicht gleichbedeutend mit einem stumpfen Führerkult und einem nostalgischen und unkritischen Verhältnis zur Geschichte. Die Unterstellung dient offenkundig der Diskreditierung unserer Partei. Wir müssen davon ausgehen, dass mit dem Erstarken der kommunistischen Bewegung ähnliche Versuche der Verleumdung durch die bürgerliche Presse zunehmen werden.

Kriege werden gemacht – Revolutionen auch

Das Wochenende hat deutlich gemacht, dass wir vor großen Herausforderungen stehen. Es ist die Aufgabe der Kommunistinnen in Deutschland, die kommunistische Partei aufzubauen und die Arbeiterbewegung gegen den Kriegskurs der Regierung in Stellung zu bringen. Wir müssen die Massenarbeit ausbauen, die Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit vertiefen, die Jugend organisieren und die Arbeiterklasse befähigen, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Der Aufbau der Partei, die Stärkung jedes einzelnen Genossen und jeder einzelnen Genossin sind dabei entscheidend, den Kampf für den Sozialismus konsequent voranzutreiben.

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