Aktuelles von Dominik Loh & Miro Kohnen
Wir erleben aktuell eine scheinbar endlose Reihe von Angriffen auf die Arbeiterklasse: Bereits mit dem „Herbst der Reformen“ hat die aktuelle Regierung im Rahmen der laufenden Kriegsvorbereitungen und der Krise der deutschen Wirtschaft angefangen ihre Angriffe auf die Arbeiterklasse zu verstärken und das Land infrastrukturell kriegstüchtiger zu machen. Dabei wurde auch schon der 8-Stunden-Tag ins Visier genommen und härtere Sanktionen gegen Arbeitslose durch die neue Grundsicherung angekündigt. Die Forderung nach der Abschaffung der telefonischen Krankschreibung oder die geforderte Einschränkung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bereiten den Boden für weitere Angriffe. Dem Wirtschaftsflügel der CDU ist ein weiterer Einfall gekommen, wie man der Arbeiterklasse das Leben schwer machen und noch mehr aus ihr herauspressen kann: So soll zukünftig „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ (so der Name des Antrags) bestehen, womit alle diejenigen gemeint sein sollen, die freiwillig auf einen Teil der noch bestehenden 40-Stunden-Woche verzichten. Aktuell können Beschäftigte nach einem Arbeitsverhältnis von sechs Monaten in einem Unternehmen mit mindestens 15 Mitarbeitern Teilzeitarbeit fordern.
Laut eigenen Aussagen soll damit dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegenwirkt werden – doch ist das tatsächlich der Grund? Wer arbeitet eigentlich vor allem Teilzeit und aus welchen Gründen? Es kann nicht davon gesprochen werden, dass in Deutschland weniger gearbeitet wird. Waren laut Statistischem Bundesamt vor gut 20 Jahren 59 Prozent der Frauen im Alter zwischen 15 und 64 erwerbstätig, so ist diese Zahl 2024 auf 74 Prozent gestiegen. Bei den Männern erfolgte auch ein Anstieg von 71 auf 81 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die Teilzeitquote bei Männern von sieben auf zwölf Prozent, bei Frauen von 43 auf 49 Prozent. Mit 68 Prozent sind aber vor allem Mütter mit minderjährigen Kindern überproportional in Teilzeit.
Hier wird sichtbar, wen eine Abschaffung besonders treffen würde: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten sind in Teilzeit, weil sie Erwachsene oder Kinder betreuen müssen, aus gesundheitlichen Gründen, weil sie eine Aus- oder Weiterbildungen machen oder auch einfach keine Vollzeitstelle gefunden haben. Sie müssen arbeiten, schaffen es aber zum Beispiel wegen der Pflege von Angehörigen oder Kindern nicht noch mehr zu arbeiten. Die Werktätigen wollen meist sogar mehr arbeiten, um mehr zu verdienen, das liegt aber nicht in ihrer Entscheidungsmacht: Gerade Angriffe auf die öffentliche Versorgung und Sozialleistungen schaffen überhaupt erst die Situation, in der die Arbeiter mehr und mehr alleine gelassen werden. Auch hohe Arbeitsbelastungen sind ein wichtiger Grund, warum Menschen in Teilzeit arbeiten: Besonders Branchen wie Gesundheits- und Sozialwesen sowie Erziehung und Unterricht haben einen hohen Teilzeitanteil. In diesen Bereichen ist die Arbeitsbelastung mitunter so hoch, dass Teilzeit die einzige Möglichkeit ist, einem Burnout zu entgehen. Eine hohe Arbeitsbelastung macht krank und 42 Prozent der Beschäftigten in Deutschland beurteilen ihren Gesundheitszustand als „zufriedenstellend bis schlecht“. Es ist vollkommen gerechtfertigt, wenn Menschen eigenständig entscheiden, Teilzeit zu arbeiten um sich nicht 40 (oder sogar 48!) Stunden in der Woche kaputt zu arbeiten. Der oft beschworene Fachkräftemangel kann hiermit also nicht angegangen werden und dient hier nur als Vorwand. Während massenhaft Stellen abgebaut oder nicht nachbesetzt werden, wird Arbeit auf allen Ebenen verdichtet, Überstunden zur Normalität erklärt und Beschäftigte an die Grenze des Machbaren gedrängt.
Die „Kritik“, die am selben Tag entrüstet von den anderen, aber auch der eigenen Partei kam, war nichts als der Wunsch nach mehr Arbeit für die Beschäftigten, nur anders verpackt. Bei jedem Gegenargument geht es darum, wie man zum Beispiel durch bessere Angebote in der Kinderbetreuung mehr aus den Arbeiterinnen herausholen kann oder um die Befürchtung, dass die Teilzeit-Abschaffung einen Beschäftigungsrückgang verursacht. Die verschiedenen Vertreter des deutschen Kapitals streiten sich also eigentlich nur darum, wie man die Arbeiterklasse in Deutschland noch intensiver ausbeuten kann.
Was können wir also hieraus schließen? Die vielen Menschen, die in Teilzeit arbeiten, machen das überhaupt erst aufgrund der schwierigen Lage, die vom System selbst verursacht wird. Dass hier gegen „Lifestyle-Teilzeit“ gewettert wird, ist nur ein billiger Trick um Zustimmung für diese „Reform“ zu kriegen und die Arbeiterklasse weiter zu spalten. Genauso wie bei den anderen genannten Angriffen auf die Arbeiter geht es auch hier darum, die Menge an geleisteten Arbeitsstunden zu erhöhen. Dass sich die gearbeiteten Stunden aber seit 2004 erhöhen und die Arbeiterklasse sich trotzdem immer weniger leisten kann, wird bewusst verschwiegen.


