Raus aus dem Verbrenner-Aus und rein in die Klimakatastrophe

Aktuelles von Marcel Janssen

Eine aktuelle Klimastudie der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), die Daten der letzten 15 Jahre ausgewertet hat, prognostiziert für Mitteleuropa eine Erwärmung um 3 °C bereits bis 2050. Bis 2100 seien sogar 7 °C bis 9 °C realistisch. Damit dürften die lokalen Folgen in Mitteleuropa weit über dem aktuell angenommen globalen Anstieg von etwa 3 °C bis 2100 liegen – ganz zu schweigen vom 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens. Die Untersuchung reiht sich in eine Vielzahl von Berichten ein, die belegen, dass bisherige Klimaprognosen oft deutlich zu optimistisch waren.

Die Konsequenzen, auf die wir zusteuern, sind katastrophal und in ihrem vollen Ausmaß noch kaum abzuschätzen. Die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Naturkatastrophen treffen die Gesellschaft nicht gleichermaßen – wir sitzen nicht „alle im selben Boot“. Während die herrschende Klasse über die Möglichkeit verfügt, sich weitestgehend vor den Klimafolgen zu schützen, ist die Arbeiterklasse diesen Risiken oft unmittelbar ausgesetzt. Viele sind gezwungen, selbst unter lebensbedrohlichen Bedingungen wie extremer Hitze zu arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Gleichzeitig versuchen Lobbyverbände der Kapitalisten, die ohnehin unzureichenden Klimaschutzmaßnahmen weiter abzuschwächen. So wird beispielsweise das Verbot, neue Verbrenner auch noch nach 2035 zuzulassen, aufgeweicht. Begründet wird dies offen mit Standortinteressen und der Bedeutung der deutschen Autoindustrie. Diese Argumentation wirkt umso absurder, wenn man die Entwicklung in China betrachtet – sowohl als größten Absatzmarkt für PKW als auch als Konkurrenten im Fahrzeugbau. Dort ist der Verkauf von Verbrennern stark rückläufig, und bei der Herstellung von Elektroautos haben die chinesischen Konzerne einen Entwicklungsvorsprung von mehreren Jahren. Entsprechend uneinheitlich fällt die Reaktion der deutschen Bourgeoisie aus: Während Zulieferer für Verbrennungsmotoren den Schritt begrüßen, kommt teils scharfe Kritik aus anderen Teilen der Branche, die Angst haben, noch weiter den Anschluss zu verlieren.

Gerade im nationalen Verkehrssektor verharren die Emissionen seit Jahren auf sehr hohem Niveau, und eine relevante Absenkung ist nicht in Sicht. Um den Treibhausgasausstoß im Verkehr wirklich nachhaltig zu senken, müssten Alternativen zum PKW ausgebaut und flächendeckend verfügbar gemacht werden. In Deutschland, mit seiner sehr einflussreichen Automobilindustrie, setzt die herrschende Klasse jedoch weiterhin primär auf den ineffizienten motorisierten Individualverkehr – und dabei auf technisch längst überholte Verbrennertechnologien. Die Kapitalisten stellen damit vollkommen unverhohlen kurzfristige Profite über einen bewohnbaren Planeten und beweisen einmal mehr, dass der Staat diese Kapitalinteressen auf Kosten der Arbeiterklasse durchsetzt. Diese leidet unter steigenden Preisen, schlechter Infrastruktur und zunehmenden Klimafolgen.

Das kapitalistische System, welches auf unendliches Wachstum angewiesen ist, stößt immer offensichtlicher an die Grenzen des Planeten. Wir müssen die Produktion an die ökologischen Gegebenheiten anpassen – doch das geht nur, wenn sich das Wirtschaftssystem an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an Profiten orientiert. Die objektive Notwendigkeit, den Kapitalismus zu überwinden, ist nicht mehr zu leugnen.

Verwandt

Aktuell