Die Unterdrückung der Frau – eine Frage des Systems: Berichte zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ist ein am 25. November jährlich abgehaltener Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen. Am 25. November waren wir in verschiedenen Städten aktiv, beteiligten uns an Demonstrationen, machten Flyer-Aktionen oder organisierten eigene Veranstaltungen.

Dortmund

Am frühen Abend des 25.11. schlossen wir uns einer kleinen palästinasolidarischen Demonstration an: Gut 30 Leute zogen unter Parolen vom Nordausgang des Hauptbahnhofs über die Münsterstraße zum Kubaşıkplatz inmitten der Dortmunder Nordstadt.

Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen machte man auf jene aufmerksam, die besonders unter Krieg, Vertreibung und Genozid zu leiden haben: die Arbeiterinnen und armen Frauen; so wie alle Frauen der Arbeiterklasse und unteren Schichten überall am härtesten von Ausbeutung und kapitalistischer Barbarei, von Sexismus und Frauenfeindlichkeit, getroffen sind. Sie sind die am stärksten Leidtragenden des Imperialismus.

Und Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu. Wir wissen, das ist kein Zufall. Dieses System reproduziert notwendig die Verhältnisse, die Nährboden für frauenfeindliche Einstellungen und Ideologien sind: „Wir leben in einer Gesellschaft, die Gewalt an Frauen kontinuierlich hervorbringt. Gewalt gegen Frauen ist im Kapitalismus keine schockierende Ausnahme, sondern vielmehr die grausame Regel.“

Solange systembedingte Unterdrückung fortbesteht, wird es auch Gewalt gegen Frauen geben, da sie aus dieser resultiert. Sexismus und andere reaktionäre Ideologien, frauenfeindliche Übergriffe und häusliche Gewalt sind also auch kein „importiertes Problem“, wie Merz und Konsorten behaupten, sondern ein selbst reproduziertes. Um dies zu verschleiern, werde bei Femiziden einerseits individualisierend von deutschen Beziehungstaten, andererseits von kulturellen oder religiös motivierten Morden gesprochen, wie ein Redebeitrag bemerkte.

Außerdem wurden Missstände in der Unterstützung von Betroffenen häuslicher Gewalt kritisiert. Ein weiterer Beitrag im Verlauf der Demo benannte die zionistische Aggression als Bedrohung für und die katastrophale Situation der Frauen in Palästina und der Region.

Dort wie hier ist klar: Echte Befreiung kann es nur im Sozialismus geben. Deshalb müssen wir gemeinsam die kommunistische Partei aufbauen. Für ein Ende der Besatzung. Für die Frauenbefreiung weltweit! Schließt Euch uns an!


Bonn

Am 25.11. nahmen wir in Bonn an der jährlichen Demo gegen Gewalt an Frauen teil. Mit ca 100 weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern setzten wir ein Zeichen gegen die Gewalt, die Frauen und Mädchen täglich erleben.

Wir verteilten unsere Flyer, um so auch unsere Inhalte innerhalb an der Demo und an die Passantinnen und Passanten verbreiten zu können. Darin betonen wir, dass Gewalt nicht erst bei einem körperlichen Übergriff beginnt, sondern bereits bei der Sexualisierung weiblicher Körper, beim Demütigen und vielen weiteren Handlungen.

Die Unterdrückung der Frau ist nicht naturgegeben oder für ewig gültig. Ihre Stellung in der Gesellschaft hängt mit ihrer Stellung im Produktionsprozess zusammen. Arbeiterinnen sind im Vergleich zu Arbeitern weniger oder benachteiligt am Produktionsprozess beteiligt, was ihre relative ökonomische Abhängigkeit vom Mann verstärkt und dazu führt, dass ihnen die Pflege-, Sorge- und Hausarbeit zugeschrieben wird.

Die Gewalt trifft nicht alle Frauen gleichermaßen. Frauen aus der herrschenden Klasse haben weitaus mehr soziale und ökonomische Freiheiten und Möglichkeiten sich vor Gewalt zu schützen als arbeitende Frauen. Gleichzeitig ist nicht der Mann an sich Urheber der Gewalt an Frauen, obwohl die Gewalt in aller Regel von Männern ausgeübt wird. Der Urheber der Gewalt ist der Kapitalismus, da dieser die Frauen systematisch schlechter stellt, entwürdigt, erniedrigt und objektifiziert. Die Gewalt gegen Frauen resultiert also aus der systembedingten Unterdrückung der Frauen.

Die Befreiung der Frau ist nur im Sozialismus möglich. Nur im gemeinsamen Klassenkampf der gesamten Arbeiterklasse kann die herrschende Klasse gestürzt werden. Dafür müssen wir im Hier und Jetzt für mehr und kostenfreie Plätze in Kitas, Pflegeeinrichtungen und Frauenhäuser kämpfen, um einerseits besser Lebens- und Kampfbedingungen zu schaffen und andererseits im gemeinsamen Kampf die Organisierung und das Bewusstsein der Arbeiterklasse voranzutreiben auf den Weg zur sozialistischen Revolution. Denn langfristig fruchtbar ist der Reformkampf nur, wenn dieser stets mit der Perspektive der Revolution verbunden wird, also als Mittel zum Zweck geführt wird.


Bamberg

Am Dienstag, dem 25.11., fand unsere Veranstaltung zum Thema Gewalt an Frauen statt. Trotz gesetzlicher Gleichstellung der Geschlechter ist Gewalt ein Thema, das immer noch schockierend viele Frauen in Deutschland betrifft.

Dabei haben wir gemeinsam über Gründe diskutiert, welche Frauen in prekäre Situationen bringen, über Femizide und den Ursprung der Frauenunterdrückung. Denn: Gewalt an Frauen hat System! Sie entsteht nicht einfach nur durch sexistische Überzeugungen einzelner Männer. Die ökonomische Unterdrückung der Frau – ihre Drängung in Teilzeitmodelle und ihre geringere Entlohnung – führt zu Abhängigkeit von Partnern und Ehemännern. Das macht es umso schwieriger, sie zu verlassen, wenn sich erste Anzeichen von Missbrauch zeigen. Im Extremfall führt dies dazu, dass Frauen keine Chance haben zu fliehen, bevor sie von Familienmitgliedern oder Partnern umgebracht werden. Allein im Jahr 2024 fiel in der BRD fast täglich ein Mädchen oder eine Frau einem  Mord zum Opfer!

In Gruppenarbeit haben wir ebenfalls über das Leiden der Frauen geredet, welche direkt durch Gewalt oder indirekt durch ökonomischen Zwang in die Prostitution gezwungen werden. Fehlende Frauenhausplätze und eine beständige Unterfinanzierung von Hilfsangeboten für Betroffene sind ebenso große Probleme, die angesprochen wurden. Das kapitalistische System und der deutsche Staat, welcher an maximaler Profitsteigerung und nicht am Wohlergehen der Bevölkerung orientiert ist, machen sich damit schuldig an Gewalttaten gegen Frauen und Mädchen!

Der Ursprung der Unterdrückung der Frau liegt in der Entstehung der Klassengesellschaft und ist fest mit dieser verbunden. Sie kann erst vollständig behoben werden, wenn auch die Klassengesellschaft beseitigt ist. Aus diesem Grund halten wir auch bürgerlich-feministische Positionen für falsch, welche uns einreden wollen, dass Arbeiterinnen und Kapitalistinnen denselben Kampf für die Befreiung der Frau kämpfen.

Im Anschluss an gemeinsames Schilderbasteln waren wir abschließend auf der Demonstration, welche vom feministischen Bündnis organisiert wurde. Auf dieser Demonstration haben wir zusammen mit vielen engagierten Menschen ein Zeichen gesetzt – gegen Femizide, gegen ein System, welches Frauen in Gewaltsituationen alleine lässt, und für einen Kampf der Arbeiterklasse gegen das kapitalistische System. Jedoch waren auch reformistische Ansätze zu sehen und zu hören, welche zwar Gewalt an Frauen als ein Problem ansehen, die Befreiung der Frau allerdings nicht konsequent mit dem Kampf um den Sozialismus und um eine klassenlose Gesellschaft in Verbindung bringen.

Auch kritisieren wir, dass Mitstreiterinnen und Mitstreitern der KP verboten wurde, Sprüche zu rufen wie „Gazas Frauen wollen leben – Lisa Badum ist dagegen!“, da dieser Spruch angeblich „Hassrede gegen eine FLINTA*-Person“ sei und „parteipolitisch“. Lisa Badum ist eine Bamberger Grünen-Abgeordnete, die stark in der Israel-Lobby aktiv ist und mit ihrer Politik den Völkermord am palästinensischen Volk unterstützt. Sich nur an dem Geschlecht einer Person  zu orientieren und nicht an ihren eigentlichen politischen Inhalten und wie in diesem Fall berechtigte Kritik an einer Politikerin zu unterbinden nur weil sie eine Frau ist, ist pure Identitätspolitik. Auch die Anklage als „parteipolitisch“ entpuppt sich als Vorwand, wenn man bedenkt, dass der gleiche Spruch toleriert wurde, als wir Friedrich Merz statt Lisa Badum riefen. Dies zeigt, dass in Kreisen der bürgerlich-feministischen Bewegung die Identitätspolitik gegenüber der internationalen Solidarität mit den unterdrückten Frauen in Gaza Vorrang hat.

Wir lassen uns jedoch nicht unterkriegen und werden weiterhin laut sein und rufen: Hinter dem Sexismus steht das Kapital – der Kampf um Befreiung ist international!

Die Erfahrungen von diesem Tag zeigen mal wieder eines deutlich: Es braucht eine kommunistische Partei, welche den Kampf für die Befreiung der Frau mit dem Kampf für Sozialismus verbindet! Frauenkampf heißt Klassenkampf!

Tübingen

Gewalt gegen Frauen ist und bleibt hochaktuell: In Deutschland erleben zwei von drei Frauen sexuelle Übergriffe; etwa jede vierte erlebt körperliche oder sexualisierte Gewalt durch den aktuellen oder früheren Partner. Gewalt ist aber kein isoliertes Phänomen, sondern hat systemische Ursachen!

Um diesen Tag zu ehren, haben wir als Ortsgruppe Tübingen heute an der Morgenstelle und am Uniklinikum, dem größten Arbeitgeber unserer Stadt, Flyer verteilt. Circa 80 Prozent der Beschäftigten am Uniklinikum sind Frauen.

Wir kamen mit den Menschen ins Gespräch darüber, warum der heutige Tag wichtig ist und wie wir zu einer Gesellschaft gelangen, in der die Wurzeln von Unterdrückung und Gewalt beseitigt sind.

Düren

Am 25. November versammelten sich dutzende Bürgerinnen und Bürger des Kreises Düren am Weihnachtsmarkt, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen. Weiterhin haben Frauen aus allen Bereichen der Gesellschaft mit Frauenfeindlichkeit und Sexismus zu kämpfen. In Deutschland sind zwei von drei Frauen Opfer sexueller Übergriffe, die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich deutlich höher. Und beinahe jeden Tag wird in Deutschland eine Frau ermordet, in vielen Fällen von einer ihr nahestehenden Person.

Die Kommunistische Partei nahm deswegen an der Kundgebung teil. Wir hörten den Vertretern der Gewerkschaften zu, wir verteilten Flugblätter und sprachen über unser Verständnis einer kommunistischen Überwindung sexistischer und misogyner Gewalt.

Am 03. Dezember treffen wir uns in Düren, um über genau das zu sprechen. Ziel ist dabei zum einen die Diskussion um die zweite Ausgabe unseres Theorieorgans zur Frauen- und Geschlechterfrage, aber zum anderen auch Herausarbeitung realer Aktivitäten, um den Kampf gegen sexistische Gewalt voranzutragen.

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